ab Dienstag 01.03.
Der März beginnt und es ist noch immer mindestens 20 Grad zu kalt. Zwar scheint schon die ganze Woche die Sonne an einem strahlend blauen Himmel, zum Glück, denn nur so lässt es sich da draußen aushalten, aber es ist zu kalt für uns. 10-15 Grad MINUS. Brrr-bibber!
Aber in der Sonne ist es echt schön und so genießen wir es rund um unser schönes Kungsholmen spazieren zu gehen. Sei es bergauf und bergab auf den offiziellen Gehwegen, oder einfach geradewegs auf dem Eis. Dem zugefrorenen Mälarsee. Seit ein paar Tagen hat sich den Stockholmer ein zusätzliches Bewegungsgebiet erschlossen. Hier wird gewandert, Schlittschuh gelaufen, Skilangkauf betrieben oder wie wir und die meisten es tun einfach nur dahin geschlendert. Man könnte natürlich auch weiterhin auf den Gehwegen laufen, aber es ist doch viel toller auf dem Wasser zu gehen bzw. zu schliddern.
Das haben wir dann auch am Wochenende gemacht. Wir sind fast ganz um Kungsholmen herumgelaufen - auf dem Eis. Das hat wirklich Spaß gemacht. Auch weil das Eis zwischendurch ein bisschen weicher bzw. matschiger war (die Sonne hat enorme Schmelzkraft) und man natürlich nie weiß, wann die 10-15cm dicke Eisschicht sich verdünnisiert. Aber so lange vor und hinter uns noch etliche Leute waren, haben wir uns gar keine Gedanken gemacht. Die Schweden wissen schließlich was sie da machen. Die machen das ja jedes Jahr.
Jetzt kommen ein paar Bilder vom zugefrorenen Mälarsee, einem Eisfischer und einem eisigen Fahrrad:
|
|
|
|
|
|
Kommt jetzt der Frühling?
Wohl kaum. Aber kurzfristig hatten wir etwas Hoffnung. Am Montag war es so "warm" (vielleicht 2 Grad plus), dass es angefangen hat zu tauen. Yippie! Die Sonne hat kräftig mitgeholfen und so wurde alles ganz langsam wieder vom Schnee befreit. Ganz langsam aber auch. Leider hat ein Tag nicht gereicht und am Dienstag war wieder der fiese Wind unterwegs, der alles zu Eis erstarren lässt. Dat dauert wohl noch ne Weile.
Und jetzt die Tage ist es ein wechselndes Hin und Her. Tagsüber bisschen tauen, nachts bisschen frosten. Morgens Rutschpartie, abends Matschlauf. So ist das hier eben. Aber auf die Seen traut sich so gut wie keiner mehr. Das war unsere letzte Chance die Welt vom Wasser aus zu betrachten.
Ich wünsche allen ein schönes, schneefreies Wochenende.
ab Montag 14.03.
Die Seen sind immer noch zugefroren, die Leute trauen sich wieder darauf zu laufen. Der Frühling ist nicht gekommen. Jedenfalls nicht in Stockholm. Wir haben also weiterhin richtige Minusgrade und wenn es ganz dicke kommt auch noch einen fiesen Wind. So ist das hier eben in Schweden. Hätten wir es anders haben wollen, wären wir in Deutschland geblieben, wo wir dann schon im T-Shirt schön in einem Biergarten hätten sitzen können.
Diese Woche verlief relativ ruhig. Wir treffen die letzten Vorbereitungen um unseren Oster-Heimat-Urlaub anzutreten. Vorher fliegen wir aber noch für ein paar Tage nach Riga . Das ist die Hauptstadt von Lettland. Und Lettland gehört zu den Staaten des Baltikums. Liegt also auch im Norden und ist wettertechnisch ähnlich wie Stockholm. Mal gucken was uns dort erwartet. Eine alte sozialistische Hansestadt. Wir werden dann hier mit Bild und Text berichten.
Fröhliche Ostern (Påsk) ...
... wünschen wir jetzt schon mal, denn wir melden uns erst wieder nach Ostern. Wir wünschen allen einen fleißigen Osterhasen und dass die Schokoeier in der heißen Frühlingssonne (auf die wir uns schon sehr sehr freuen) nicht schmelzen. hej då!
Riga (19.03. - 23.03.)
Am Samstag den 19.03. haben wir uns auf den Weg nach Nyköping gemacht. Nyköping liegt ca. 100km südlich von Stockholm und von dort geht unser Flieger nach Riga.
Nach ca. 50 Minuten landen wir auf dem sehr modernen Flughafen von Riga. Ein Taxi bringt uns zu unserem Hotel. (Die Letten müssen südländisches Blut in den Adern haben, man sind das Autofahrer) Unser City Hotel Bruninieks liegt recht zentral und gefällt uns ganz gut.
An dieser Stelle viel von der Geschichte Rigas zu schreiben, ist glaube ich nicht nötig, da gibt es viele gute andere Seiten im Netz für Interessierte. z.B. hier .
Gesagt sei nur für Schnellleser, dass die Stadt 1201 von Bischof Albert von Bremen gegründet wurde und seit dem ziemlich lange unter deutscher Herrschaft stand. Zumindest wurde ein paar Jahrhunderte lang deutsch gesprochen. Beherrscht haben viele die Stadt. Die Schweden, die Polen, die Russen. Wie dass früher nun mal so war, jeder wollte immer mehr Macht. Als dann endlich der eigene Staat Lettland im Jahre 1918 gegründet wurde, dauerte es nicht lange bis die Russen kamen und dann die Deutschen (die holten dann ein paar tausend Balten-Deutsche heim ins Reich). Und dann kamen für lange Zeit wieder die Russen. Heute besteht die Bevölkerung noch zu 35% aus Russen und es hörte sich so an, als wären die Letten lieber unter sich. Zum Glück ist Lettland seit 1991 wieder unabhängig und es geht (zumindest was das Stadtbild betrifft) wieder bergauf.
Tatsächlich haben die Russen nicht viel mehr als ein paar hässliche Plattenbauten und Kriegsdenkmäler hinterlassen (so sieht es für uns aus). Ruinen von herrlichen Häusern wurden nicht wieder aufgebaut, sondern eher bei Nacht und Nebel Aktionen gesprengt.
Und schon geht es los mit der Stadterkundung. Das richtig schöne an Riga ist die Altstadt. Dort gibt es viele nette Kopfsteinpflastergassen, mit sehr schönen alten Häusern von denen einige bereits restauriert wurden. Zwischendurch gibt es ein paar sehr baufällige Häuser oder ein paar sehr hässliche Russenbauten, aber im Großen und Ganzen ist die Altstadt sehr schön.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Das Okkupationsmuseum
Ein Besuch im Okkupationsmuseum macht deutlich, wie die Letten unter den jeweiligen Belagerungen (Russen und Deutsche) gelitten haben und Ihr Leben lang für die Freiheit gekämpft haben.
Der Bau gehört übrigens zu den "schönen" Bauten aus der Sowjetzeit. Es wurde 1970 als "Museum der roten lettischen Schützen" gebaut und ein Jahr später um das in roten Granit gehauene Denkmal für den "Roten Schützen" ergänzt. Grausig! Seit 1993 hat hier das Okkupationsmuseum seinen Sitz.
Das Schwarzhäupterhaus
Das Schwarzhäupterhaus wurde 1334 erbaut und war der prachtvollste Veranstaltungs- und Versammlungsort der Stadt. Erst genutzt von der großen Gilde und zum Teil an die Schwarzhäupter nur vermietet, gehört es seit 1713 zum Besitz der Bruderschaft. Diese wurde 1416 für ortsfremde und ledige Kaufleute gegründet. Einer der Schutzpatrone ist der heilige Mauritius. Daher auch der Name des Klubs, denn der Kopf des "Mohres" zierte Fahnen und Wappen der Compagnie.
Um nicht all zu sehr ins Detail zu gehen: es wurde im zweiten Weltkrieg zerstört, die Russen haben die Überreste gesprengt, 1994 wurden die alten Fundamente freigelegt und seit 1999 ist das rekonstruierte Haus wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Und da wir auch zur Öffentlichkeit gehören, haben wir uns das prachtvolle Haus gleich mal von innen angeguckt. Es hat uns sehr gut gefallen.
Das Rathaus
Als nächste Sehenswürdigkeit am Platze steht das Rathaus. Schon 1334 stand an dieser Stelle das erste Rigaer Rathaus welches allerdings durch einen Neubau 1750 ersetzt wurde. Im zweiten Weltkrieg zerstört und von den Russen nicht wieder aufgebaut, besteht das Rathaus in seiner heutigen Form erst wieder seit der 800-Jahrfeier 2001. Die Fassade ist nach original Bauplänen rekonstruiert worden.
Vor dem Rathaus steht der Rigaer Roland. Die Rolandsäulen tauchten seit dem 14. Jahrhundert überall auf den Hauptplätzen norddeutscher Städte auf und sind wahrscheinlich ein Wahrzeichen von Marktfreiheit und Handelsprivilegien. Dieser Roland hatte den zweiten Weltkrieg fast komplett überlebt. Von seiner Schwertspitze aus wurden einst verschiedene Messungen innerhalb Lettlands und Europas vorgenommen.
Die Petrikirche
Die Petrikirche wurde bereits 1209 urkundlich erwähnt. Sie war seinerzeit der Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens in Riga. Der Kirchturm wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrmals zerstört und die Kirche wurde öfters umgebaut. Heute hat man von dem Turm aus eine tolle Sicht über ganz Riga und wenn man Glück hat, so wie wir, dann kann man ein hervorragendes Konzert in der Kirche erleben. Wir waren bei einem klassischen Abend mit Stücken gespielt auf verschiedenen Saxophonen! Sehr schön!
Die nachfolgenden Bilder haben wir vom Turm der Petrikirche aus fotografiert. Die Altstadt ist einfach toll. Es gibt jede Menge zu sehen und zu erkunden. Wir haben viel durch eine kleine Stadtführung von der Altstadt erfahren. Witzigerweise haben wir bei dieser Stadtführung ein schwedisches Paar aus Stockholm, Kungsholmen kennen gelernt. Die beiden wohnen gleich bei uns um die Ecke. Da wird es sicher demnächst ein Treffen geben. Zufällig ist er in Deutschland geboren und spricht noch perfekt deutsch. Die Welt ist manchmal klein.
|
|
|
Neben den bereits genannten Sehenswürdigkeiten, gibt es noch jede Menge andere:
|
Links die Nationaloper - Rechts die russisch-orthodoxe Kathedrale |
|
Hier das "Schwedentor", so genannt, weil es überwiegend von schwedischen Söldnern benutzt wurde, deren Garnison in der Nähe stationiert war. Der Legende nach sind eine Rigenserin und ein schwedischer Soldat in der Wand des Tores eingemauert, weil sie verbotener Weise ineinander verliebt waren und dabei ertappt wurden.
So langsam reicht es glaube ich mit Bildern und Informationen über Riga. Ich könnte noch jede Menge mehr schreiben z.B., dass wir ein super tolles Restaurant entdeckt haben mit lettischer Küche. Sehr rustikal (Einrichtung und Essen) und sehr lecker.
Abschließend sei nur gesagt, dass es uns sehr gut gefallen hat in Riga. Wir haben viel gesehen, waren in vielen Museen, haben uns die Füße platt gelaufen und jede Menge Cafes kennen gelernt. Denn die Bilder täuschen. Trotz des Sonnenscheins war es extrem kalt durch einen fiesen Wind, der anscheinend direkt aus Sibirien kam. Und so hat uns der eine oder andere Kakao vor dem Erfrieren gerettet. (niemals in Riga eine "hot chocolate" bestellen - das ist ein kleines Tässchen mit geschmolzener Schokolade. Lecker aber nix zum Aufwärmen)
Nun werde ich diesen Monat und das Thema Riga mit ein paar schönen Bildern von restaurierten Jugendstilbauten beenden.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Ein Aller-allerletztes noch. Wir hatten ein paar sehr schöne Ostertage in Berlin. So, das war’s.





































